Konferenz: Methoden der Partizipation und Kommunikation der Energiewende

Konferenz: Methoden der Partizipation und Kommunikation der Energiewende

Foto: Gordon Welters / IÖW

Der Transformationsprozess Energiewende verändert nicht nur die Art der Energiebereitstellung, sondern auch deren Nutzung. Unternehmen müssen effizienter produzieren, Häuser gedämmt und lastdienliches Verhalten ermöglicht werden. Dies erfordert Veränderungen, die verstanden, unterstützt und angegangen werden müssen. Die verschiedenen Akteure benötigen hierfür konkrete Anknüpfungspunkte zu ihrem Alltag, ihren Produktionsprozessen oder Konsummustern. InnoSmart konzipierte gemeinsam mit dem Projekt e-transform die Konferenz „Transformationsprozess Energiewende – Methoden der Partizipation und Kommunikation“. Die Teams stellten am 30. Juni 2016 in Berlin vor, wie die Energiewende so gestaltet werden kann, dass sie die Menschen mitnimmt und Spaß macht. 

Ziele der Konferenz: Wissen vermitteln, diskutieren, selber ausprobieren

Die Konferenz stellte aktuelle methodische Ansätze zur Diskussion, die komplexe Transformationsprozesse strukturieren, für diese sensibilisieren, sie begleiten, moderieren oder steuern. Hierbei geht es um Methoden, die

  • Verbraucherinnen und Verbraucher als Ideen- und Feedbackgeber/innen in unternehmerische Innovationsprozesse integrieren,
  • die komplexe Zusammenhänge medial besser vermitteln,
  • Bürgerinnen und Bürger gezielt informieren,
  • die Argumente und Haltungen für oder gegen einzelne Aspekte der Energiewende auf den Punkt bringen und
  • die Energiewende gerechter machen.

Akteure der Energiewende erhalten aus den Projekten neue Ideen, wie sie sensibilisieren und Partizipation organisieren können: von unterschiedlichen Serious-Game-Formaten, über ein Ausstellungskonzept für jüngere Zielgruppen bis hin zu einem Methodenbaukasten für die nachhaltige Gestaltung von Innovationsprozessen.

Wie kann die Energiewende gesamtgesellschaftlich gestaltet werden?

Auf der Konferenz tauschten sich rund 80 Teilnehmende zu der Frage aus, wie ein anspruchsvoller Innovationsprozess wie die Energiewende gesamtgesellschaftlich gestaltet werden kann. „Die Transformation des Energiesystems geht jede und jeden etwas an und muss daher möglichst breit verständlich sein“, sagte InnoSmart-Projektleiterin Franziska Mohaupt vom IÖW. „Umso mehr Hände mit anpacken, desto erfolgreicher wird die Energiewende insgesamt werden. Bürgerinnen und Bürger können auf verschiedene Weise aktiv werden, etwa indem sie sich bei der politischen Entscheidungsfindung in ihrer Kommune einbringen, gemeinsam mit Unternehmen an Innovationen arbeiten, selbst in erneuerbare Energieerzeugungsanlagen investieren oder – wie derzeit etwa in Berlin versucht wird – sich für die Re-Kommunalisierung der Verteilungsnetze engagieren.“

Ortwin Renn: „Die Energiewende ist auch schmerzhaft.“

Als zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung benannte Prof. Ortwin Renn vom Potsdamer Institute for Advanced Sustainability Studies in seinem Impulsvortrag, dass es immer eine Offenheit von Optionen geben müsse: „Wenn es keinen Gestaltungsspielraum mehr gibt, weil das gewünschte Ergebnis bereits feststeht, ist Bürgerbeteiligung Gift. Dann muss man sich darauf konzentrieren, die geplanten Maßnahmen überzeugend zu kommunizieren“, erläuterte Renn und sagte weiter: „Transformationen wie die Energiewende sind immer auch schmerzhaft. Dies sollte nicht verschleiert, sondern im Gegenteil ehrlich angesprochen werden.“ Wenn es dazu gelänge, die Menschen nicht nur intellektuell, sondern auch emotional zu beteiligen, dann könne Beteiligung viel erreichen. Die Energiewende werde so zu einem Element der eigenen Biographie, mit dem sich die Menschen identifizieren könnten, argumentierte der Experte für Partizipationsprozesse.

Vermittlungsbaukasten für Energiewende-Akteure

„Wir sind davon überzeugt, dass die Energiewende als vielschichtige Kommunikationsherausforderung begriffen werden muss. Im besten Fall gelingt es, sie als elementaren Baustein einer schlüssigen Erzählung zur Zukunftsgestaltung zu kommunizieren“, erläuterte Christiane Hipp, Verbundkoordinatorin des Projektes e-transform. „Dafür haben wir im Rahmen unseres Projektes einen ‚Baukasten‘ entwickelt, der verschiedene Vermittlungsformate umfasst, mit denen über das Transformationsvorhaben Energiewende informiert, für die Herausforderungen sensibilisiert und für das Mitgestalten geworben werden kann. Je nach Bezugsgruppe unterscheiden sich die medialen Instrumente, die sich für eine erfolgreiche Ansprache eignen.“ So beinhaltet der Baukasten unter anderem verschiedene digitale Spiel- und Erklärformate, dokumentarische Kurzfilme aber auch ein modulares Ausstellungskonzept für ein jugendliches Publikum.

Toolbox für Unternehmen und gesellschaftliche Akteure

Die Toolbox „partizipativ innovativ“ wurde vom InnoSmart Team entwickelt und ist ein online zugänglicher Methodenbaukasten für die erfolgreiche und nachhaltige Gestaltung und Begleitung von Innovationsprozessen. Die Toolbox bietet einen Überblick über verschiedene Methoden, Kreativitäts- und Moderationstechniken, die von Unternehmen, Politik oder Akteuren der Zivilgesellschaft eingesetzt werden können. Unternehmen finden hier Werkzeuge, mit denen sie ihre Innovationsprozesse partizipativ gestalten, Nutzerinnen und Nutzer einbinden und gesellschaftliche Debatten aufgreifen können. Akteure aus Zivilgesellschaft und Politik entdecken darin Tools für eine gelingende Bürgerbeteiligung bei Vorhaben wie der Energiewende. Die Toolbox dient zur Ablaufplanung, als Informationsquelle und Nachschlagewerk. Praxisbeispiele der Toolbox vermitteln eine hohe Anwendungsorientierung. Literatur und weiterführende Links laden zum Weiterlesen ein.

Während der Konferenz wurde die Toolbox getestet und kommentiert. Die finale Version wird im Herbst 2016 veröffentlicht und ist dann online unter www.innosmart-projekt.de frei zugänglich.

++++++++++++++++++++++++++++

Die Dokumentation der Konferenz kann über www.innosmart-projekt.de eingesehen und die Präsentationen der Methodenexpertinnen und Experten heruntergeladen werden.

Mehr Informationen zu unserem Projektpartner e-transform finden Sie hier: www.e-transform.org