Nutzerinnovationsworkshops – wie können Kunden Entwicklungen der Energieversorger mitgestalten?

Nutzerinnovationsworkshops – wie können Kunden Entwicklungen der Energieversorger mitgestalten?

Die bisherigen Entwicklungsaktivitäten im Smart Grid-Bereich sind stark technikgetrieben. Die Bedarfe und Wertvorstellungen der Kundinnen und Kunden werden nur ansatzweise bei der Produktentwicklung berücksichtigt. Um Nutzerfreundlichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz von Smart-Grid-Lösungen stärker in die Innovationsprozesse der Energieversorgungsunternehmen (EVU) zu integrieren, wurden gemeinsam mit den drei Energieversorgern EnBW, Entega und MVV jeweils zwei Nutzerinnovationsworkshops durchgeführt. Die Ergebnisse der Nutzerinnovationsworkshops wurden nun in einem Arbeitsbericht veröffentlicht.

Aktuelle Transformationsprozesse machen auch vor den privaten Haushalten nicht Halt: der „klassische Stromkunde“ entwickelt sich zu einem wichtigen Akteur im Strommarkt der Zukunft. Er bezieht nicht mehr nur Energie, sondern ist Stromproduzent, stellt Energiespeicher zur Verfügung und handelt selbst auf dem Strommarkt. Für den Erfolg von technischen Anwendungen im Endkundengeschäft wird eine nutzerfreundliche Gestaltung immer wichtiger, denn Kundinnen und Kunden können zukünftig aus einem wachsenden Angebot von Dienstleistungen und Produkten auswählen. Trotzdem werden Nutzer/innen meist nur in die nachträgliche Bewertung von neuen Produkten und Dienstleistungen einbezogen.

Workshops spielen Zukunftsvisionen durch

Gemeinsam mit den Energieversorgern EnBW, Entega und MVV war es daher Ziel von InnoSmart, die Anforderungen von Kundinnen und Kunden in den frühen Phasen des Innovationsprozesses aufzunehmen und zu integrieren. Im Laufe des Projekts wurden in jedem EVU zwei aufeinander aufbauende Nutzerinnovationsworkshops durchgeführt, an denen jeweils acht bis zwölf Personen teilnahmen. Potenzielle Nutzer/innen haben ihre Anforderungen an zukünftige Produkte und Dienstleistungen von EVU formuliert. Ziel der ersten Workshoprunde war es, in den drei EVU neue Ideen zu Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen zu generieren, zu bewerten, auszuwählen und weiter auszuarbeiten. In der Zeit bis zum zweiten Workshop hatten die EVU Zeit, diese Ideen (weiter) zu entwickeln. In der zweiten Workshoprunde sollten die Ergebnisse erneut vorgestellt, Prototypen ggf. getestet und Dienstleistungskonzepte reflektiert werden.
In den Workshops wurden beispielsweise Fragen zu Smart-Home-Produkten, Energiespeichern und Energiemanagementsystemen gestellt oder überlegt, wie Elektromobilität in den Alltag integriert werden kann. 

Fruchtbarer Dialog für beide Seiten 

In den Workshops zeigte sich, dass die Teilnehmenden an diesen Entwicklungsthemen der Unternehmen und an der Mitgestaltung von neuen Produkten und Dienstleistungen im Smart Grid starkes Interesse haben. Offenheit und Ehrlichkeit der EVU wurden von den Workshopteilnehmenden als sehr positiv bewertet und trugen zu einem für beide Seiten fruchtbaren Dialog bei, in dem auch kritische Fragen Platz hatten. Beide Seiten stimmten zu, dass für einen gelungenen Nutzerintegrationsprozess Möglichkeiten direkte Kritik zu äußern und der Dialog mit den Produktverantwortlichen und Innovationsmanagern der EVU zentrale Elemente sind. Die Unternehmen erkennen ebenfalls, dass Nutzerintegration zu einem frühen Zeitpunkt im Innovationsprozess entscheidende Signale für das weitere Vorgehen geben kann. So wurde beispielsweise in einem Unternehmen eine Produktidee nicht weiterfolgt, da es zuvor von den Kund/innen infrage gestellt wurde.

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Weitere Details und Ergebnisse zu den in InnoSmart durchgeführten Nutzerinnovationsworkshops finden Sie ausführlich im Arbeitsbericht „Das Potenzial von Nutzerinnovationsworkshops für Innovationen im SmartGrid“. Alternative Methoden zur Nutzerintegration neben den Nutzerinnovationsworkshops haben wir in einer Toolbox zusammengefasst, die unter www.partizipativ-innovativ.de frei zugänglich ist.

Download des Arbeitsberichts, pdf