Unterschiedliche Erwartungen an Smart Grids

Unterschiedliche Erwartungen an Smart Grids

Das Stromsystem der Zukunft nutzt erneuerbare Energien und vernetzt Stromerzeuger und –verbraucher digital. Damit rücken auch die Privathaushalte stärker in den Fokus der Energiewende. Immer lauter wird das bestehende Modell der aggregierten, analogen Stromrechnung in Frage gestellt, die keine Informationen über Verbrauchsschwerpunkte oder Einsparmöglichkeiten enthält. Die Digitalisierung der Verbrauchsmessung soll es ermöglichen Hausgeräte innovativ zu steuern oder die dynamischen Tarife zu nutzen. Welche Vorteile bringt das für Privathaushalte? Können sie Strom sparen, wenn sie flexibel auf Marktsignale reagieren? Und welche neuen Risiken entstehen durch den Datenhunger digitaler Systeme? Diesen und anderen Aspekten geht der neue Bericht „Das Smart Grid im Privathaushalt“ nach. Er präsentiert die Ergebnisse von Stakeholder- und Bürgerdiskussionen zum digitalen Energiesystem.

Datenschutz: Unterschiedliche Interessen

Zur Analyse von Verbraucherperspektiven auf das Smart Grid wurden Stakeholder aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Interviews befragt und zu einem Workshop eingeladen. In verschiedenen Diskussionen wurden die Einstellungen von Bürger/innen erhoben, die unterschiedliche Erfahrungen mit dem Betrieb von Photovoltaikanlagen haben. Stakeholder wie Bürger/innen stehen der Digitalisierung des Energiesystems grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings wird auch der Wunsch nach einem hohen Datenschutzniveau geäußert. Andererseits wird betont, dass durch zu hohe Datenschutzanforderungen Vorteile des Smart Grid wie innovative Geschäftsmodelle oder die Möglichkeit, Stromtrassen zu vermeiden, nicht zunichte gemacht werden dürfen.

Smart Meter? Ja, aber freiwillig!

Sowohl Bürger/innen wie Stakeholder zeigen sich davon überzeugt, dass die Verwendung von Smart Metern keinesfalls vom Gesetzgeber oder Stromlieferanten angeordnet werden sollte. Stattdessen wurde auf das Prinzip der Freiwilligkeit gesetzt und betont, dass die Energieanbieter die Stromkund/innen von dem Nutzen neuer digitaler Produkte und Dienstleistungen überzeugen müsse. Stakeholder und Bürger/innen betonten ebenfalls, dass ein Risiko bestünde, neue soziale Ungleichheiten zu schaffen. So bestehe die Gefahr, das bestimmte soziale Gruppen (z. B. Einkommensschwache, Senior/innen, kinderreiche Familien) von innovativen Smart Grid-Anwendungen ausgeschlossen bleiben, da sie ihr Verbrauchsverhalten aus finanziellen Gründen nicht flexibilisieren könnten.

Smart Grids: Chance zum Stromsparen und Vermeiden neuer Stromtrassen

Die Stakeholder sehen in der tagesaktuellen Visualisierung des Stromverbrauchs die Chance, dass mehr Energie eingespart wird. Um die sparsame Energienutzung zu unterstützen,  müsse dies durch nennenswerte Preisvorteile belohnt werden, die aber erst langfristig durch z. B. sinkende Smart Meter-Kosten oder einen wachsenden Stromverbrauch durch Elektromobilität zu erwarten seien. Gemeinsam mit den Bürger/innen bewerten die Stakeholder das Smart Grid als Schlüsselbaustein für eine erfolgreiche Energiewende und trauen ihm zu, den Bedarf an neuen Stromtrassen zu vermindern.

In einem weiteren Schritt wurden die Ergebnisse der Stakeholder- und Bürgerdiskussionen analysiert, um herauszuarbeiten, wie eine zukünftige Debatte über die Erwünschtheit des Smart Grid möglichst rational zu gestalten ist. Dazu sollten alle Argumente für und gegen Smart Grids in einer öffentlichen Debatte diskutiert werden. Dabei ist vor allem wichtig zu betonen, wie hoch der Beitrag des Smart Grid für die Energiewende ist und welche Maßnahmen mögliche soziale Benachteiligungen kompensieren können. Außerdem müsste die normative Frage diskutiert werden, welche Daten unbedenklich durch Smart Grid-Technologien gesammelt werden könnten und welche Daten nicht gespeichert werden dürften.

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Zum Download des Arbeitsberichts, pdf