Warum die Zukunft der Energiesysteme digital ist

Warum die Zukunft der Energiesysteme digital ist

Podiumsdiskussion zur Digitalisierung des Energiesystems (Bild: EUMB Pöschk/www.rolf-schulten.de)

Die Digitalisierung des Stromsystems (Smart Grid) stellt gemeinsam mit der Energiewende die „alte Energiewelt“ auf den Kopf. Damit sind weitreichende gesellschaftliche und verbraucherbezogene Auswirkungen verbunden. Vor diesem Hintergrund wurde von InnoSmart gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf den Berliner Energietagen am 13. April 2016 ein Workshop ausgerichtet, der die Erwartungen der Verbraucher/innen an die Digitalisierung sowie Chancen und Handlungsbedarf für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft beleuchtete.

Verbraucher/innen wollen variable Tarife

Im ersten Teil des Workshops „Digitalisierung des Energiesystems. Gesellschaftliche Aspekte und Verbrauchersicht“ wurde das Thema von vier Referenten aus unterschiedlicher Perspektive betrachtet. Wilfried Konrad (DIALOGIK) diskutierte die gesellschaftlichen Herausforderungen und Gestaltungsaufgaben im Prozess der Digitalisierung der Energieversorgung. Er identifizierte eine stärkere Bürgerbeteiligung, soziale Gerechtigkeit, Datenschutz und die Erschließung ökologischer Potenziale als zentrale Faktoren eines aus gesellschaftlicher Perspektive Erfolg versprechenden Smart Energy System. Niels Schnoor (vzbv) präsentierte die Ergebnisse von zwei Studien zu den Erwartungen von Verbraucher/innen an variable Stromtarife sowie den damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen für Privathaushalte. Sein Fazit war erstens, dass Verbraucher/innen zwar Interesse an variablen Stromtarifen haben, aber weit überwiegend nicht davon überzeugt sind, persönlich profitieren zu können. Zweitens argumentierte er, dass variable Stromtarife sich nur in großen Haushalten mit spezieller Geräteausstattung lohnen.

Neue digitale Geschäftsmodelle

Das Thema des Vortrags von Holger Krawinkel (MVV Energie) waren die Anforderungen an neue Geschäftsmodelle für Energieversorger in der neuen Energiewelt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Energieversorger auf den Wandel der Endkund/innen vom traditionellen Stromabnehmer zum Marktakteur reagieren können. Krawinkel betonte insbesondere, dass die Kund/innen zukünftig begeistert werden wollen und dass digitale Geschäftsmodelle für die Kund/innen einen Mehrwert bieten müssen – zum Beispiel in Form von Paketlösungen aus PV, Speicher und einer Flatrate für Reststrom. Dirk Scheer (DIALOGIK) ordnete das Smart Grid in die Kontexte der Energiewende und variantenreicher Technikzukünfte ein. Als zentrale Aufgaben mit Blick auf die Digitalisierung fokussierte er auf Koordination und Steuerung, Integration, Effizienz sowie Produkt-Service-Systeme. Davon ausgehend fragte Scheer nach den Voraussetzungen der gesellschaftlichen Akzeptanz von Smart Grids und betonte hier die Faktoren Einsicht in Notwendigkeit des Vorhabens und positive Akzeptabilität der Folgen; persönlichen Nutzen und für diejenigen, die man wertschätzt; Glaube an die Selbstwirksamkeit des eigenen Handelns; Identifikation mit dem Vorhaben.

Nischen- oder Massenmarkt: Stromkund/innen überzeugen

Im zweiten Teil des Workshops fragte die Podiumsdiskussion „Digitales Energiesystem – Was für Spezialisten oder Zukunft für alle Verbraucher?“. Die Teilnehmer dieses Gesprächs waren Ingmar Streese (vzbv), Holger Krawinkel (MVV Energie), Heiner Bruhn (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) und Robert Busch (Bundesverband Neue Energiewirtschaft). Unter der Moderation von Christian Seelos (energate) diskutierte das Podium unter anderem über die Vor- und Nachteile von Smart Grids für Verbraucher/innen, unter welchen Bedingungen sich die Digitalisierung des Energiesystems zu einem Nischen- oder Massenmarkt entwickelt und mit welchen neuen Produkten und Dienstleistungen Stromkund/innen von digitalen Geschäftsmodellen überzeugt werden können.

Das Programm und die Vorträge des Workshops „Digitalisierung des Energiesystems. Gesellschaftliche Aspekte und Verbrauchersicht“ können Sie hier downloaden.