Workshop: Stakeholder diskutieren Handlungsbedarf für Gestaltung eines „smarten“ Energiesystems

Workshop: Stakeholder diskutieren Handlungsbedarf für Gestaltung eines „smarten“ Energiesystems

Die Digitalisierung des Energiesystems wird die Energieinfrastruktur revolutionieren. Mit einem zukünftigen Smart Energy System sind aber auch gesellschaftliche und verbraucherbezogene Aspekte verbunden, die in der derzeitigen Diskussion noch wenig zu hören sind. Vor diesem Hintergrund veranstaltete das Projekt InnoSmart am 8. Dezember 2015 in Berlin den Workshop „Digitalisierte Energiezukunft“. Siebzehn Stakeholder und Expert/innen diskutierten die gesellschaftlichen Herausforderungen und Gestaltungsaufgaben für ein aus gesellschaftlicher Perspektive Erfolg versprechendes Smart Energy System und identifizierten darauf bezogene Faktoren des Gelingens und Misslingens.

Workshop: Digitalisierte Energiezukunft im Fokus der Stakeholder

Die Gruppendiskussion thematisierte Herausforderungen, Aufgaben & (Miss-)Erfolgsindikatoren eines Smart Energy Systems aus gesellschaftlicher Perspektive. Bei den gesellschaftlichen Herausforderungen sahen die Teilnehmer/innen des Workshops Handlungsbedarf; mit Blick unter anderem auf eine breite gesellschaftliche Diskussion, die Klärung von Akteursrollen, die aktive Schaffung und Förderung von Akzeptanz, die Gewährleistung von Datenschutz und die Vermeidung gesellschaftlichen Neids durch Entsolidarisierung. Zu den vordringlichen Gestaltungsaufgaben zählten die Teilnehmenden die Schaffung von Transparenz über die Frage, wer von welchen Angeboten, Technologien oder Entwicklungen profitiert, die Herausarbeitung der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Bausteinen des Smart Grid, die Einführung von Marktinstrumenten für die Energiewende durch die Politik oder eine stärkere Einbindung der Bürger/innen in unternehmerische Innovationsprozesse. Schließlich wurde eine Reihe von Indikatoren für das Ge- und Misslingen eines, aus gesellschaftlicher Perspektive Erfolg versprechendes, Smart Energy System erarbeitet. Genannt wurden hier etwa ein hoher Informiertheitsgrad, eine ausgeprägte Verteilungsgerechtigkeit, Teilhabe, Bürgernähe, die Anzahl von im Markt aktiven Energiegenossenschaften, Akzeptanz, die Gewährleistung von Privatheit oder Netzstabilität.

Vorträge: Aspekte des Smart Grid mit Blick auf Gesellschaft, Geschäftsmodelle und Verbraucher/innen

Zuvor hatten die Projektverantwortlichen verschiedene Vorträge für die Teilnehmenden vorbereitet, um ihnen einen Überblick zum Thema digitalisierte Energiezukunft zu ermöglichen. Wilfried Konrad (DIALOGIK, Stuttgart) informierte in seiner Präsentation „Das Smart Grid aus gesellschaftlicher Perspektive. Herausforderungen und Gestaltungsaufgaben“ über das InnoSmart-Projekt und adressierte wesentliche Schwerpunkte einer integrativen Bewertung des Smart Energy Systems. Auf „Ansätze für neue Geschäftsmodelle in urbanen Smart Grids“ fokussierte der Beitrag von Peter Eckerle (StoREgio Energiespeichersysteme, Ludwigshafen). Ausgehend von dem Leitgedanken, das Speichersysteme eine besonders attraktive Flexibilitätsoption darstellen, wurden zwei Speicher-basierte Geschäftsmodelle beschrieben und bewertet. Was denken Verbraucher/innen über die digitale Energiezukunft? Dieser Frage ging Esther Hoffmann (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Berlin) nach. In den von ihr durchgeführten InnoSmart-Fokusgruppen zu den „Einstellungen von Bürger/innen zu Smart Grids“ zeigten sich die Teilnehmer/innen einerseits aufgeschlossen für Smart Grids, andererseits wurden Befürchtungen hinsichtlich Datenschutz, Datensicherheit sowie sozialen Ungleichheiten geäußert. Verbraucher/innen standen auch bei Johanna Kardel (Verbraucherzentrale Bundesverband, Berlin) im Mittelpunkt. In ihrem Referat mit dem Titel „Variable Stromtarife aus Verbrauchersicht“ plädierte sie für eine freiwillige Nutzung intelligenter Messsysteme und variabler Tarife, da diese sich auch langfristig finanziell nur in Haushalten mit Speicherheizung und/oder Wärmepumpe lohnten.